Kunstkreisgründer Kurt Gerntke verstorben

27.08.2014

Nachruf  für Kurt Gerntke  

(25.Juni 1925 – 13.August 2014

 

Der „Kunstkreis Schenefeld“ trauert um Kurt Gerntke, unser Gründungsmitglied und 27 Jahre unser Vorsitzender ist im Alter von 89 Jahren gestorben.

 

Als Gründungsrektor der Schenefelder Realschule hob er zusammen mit Kollegen 1973 den Kunstverein aus der Taufe und war bis zum Frühjahr 2000 über 27 Jahre sein Leiter, rastloser Motor und Ideengeber. 1999 empfing er für sein kulturelles Engagement die Bundes- Verdienstmedaille.

 

Die Gemeinde Schenefeld war 1972 Stadt geworden, und so sahen es Kurt Gerntke und seine Mitstreiter auch als ihre Aufgabe an, für die Bürger ein Forum für die Kunst im Westen der Metropole Hamburg zu schaffen. Mit Kunstausstellungen, Musik und Autorenlesungen fing es an. Die ersten Ausstellungen, wie z.B. A.Paul Weber, für die die Stadt schon damals ihren Ratssaal großzügig zur Verfügung gestellt hatte, wurden aus dem Fundus der „Griffelkunst-Vereinigung Hamburg“ zusammengestellt, deren Schenefelder Gruppe Kurt über 50 Jahre leitete. Ihr Motto, einerseits Grafikern eine höhere Auflage zu verschaffen und andererseits Kunstfreunden für wenig Geld Zugang zu Originalen zu ermöglichen, wurde von ihm leiden- schaftlich unterstützt.

 

Die Erfahrung eines Verhörs bei der Gestapo, dem er sich als junger Mann an der Hamburger Stadthausbrücke hatte unterziehen müssen, mag schon früh dazu beigetragen haben, sich für Toleranz, Weltoffenheit und das Schauen über den heimischen Tellerrand einzusetzen.

Hierbei war der Pädagoge Kurt Gerntke in seinem Element. Stets neuen Ideen zugewandt, holte er mit feinem Spürsinn für künstlerische Qualität, mit Kontaktfreude und viel Verhandlungsgeschick die Werke namhafter Künstler von Norddeutschland bis Österreich nach Schenefeld. Aber er forderte auch die Mitglieder des Kunstkreises auf, in den juryfreien „Schenefelder Aktivitäten“ ihre eigenen künstlerischen Ausdrucksweisen zu finden und ihre Werke auszustellen.

 

Unvergessen sind die Ausstellungen „Kunstlandschaft Europa“, in Zusammenarbeit mit dem Hamburger Kunstverein und „Zorn und Trauer“. Erstere war 1991 eine deutschlandweite Veranstaltung der Arbeitsgemeinschaft deutscher Kunstvereine (AdKV). Der Kunstkreis stellte in diesem Rahmen die  Wiener Fotografin Birgit Jürgenssen aus, eine Rede hielt die österreichische Botschafterin aus Bonn. Die Ausstellung „Zorn und Trauer“ war eine Antwort auf den Brandanschlag gegen eine türkische Familie in Mölln im November 1992. Unterstützt vom Berufsverband der Künstler (BBK) und dem Kieler Innenministerium sandten 86 Holsteiner Künstler ihre Arbeiten ein, von denen schließlich nach sorgfältiger Auswahl 32 im Sommer 1993 im Ratssaal gezeigt werden konnten. Die Stadt erwarb daraus das im Rathaus hängende Werk mit den arretierten Patronentaschen von Gerd Festesen. Schon einige Jahre früher hatte die Stadt zusammen mit einem Sponsor die Travertin-Stelen „Dialog“ von Jörg Plikat für den Rathausmarkt erworben, nachdem Kurt Gerntke dafür intensiv geworben hatte.

 

Der „Kunstkreis Schenefeld“ war und ist sich mit seiner Führung der Verantwortung bewusst, das Erbe von Kurt Gerntke zu pflegen und fortzuführen.

 

Lieber Kurt, wir danken Dir mit einem herzlichen „ Fare Well“.      

 

 

Irene Ott-Schmidt / Henning v. Winterfeld